The­ra­pie­hund 

 

Es ist wis­sen­schaft­lich erwie­sen, dass sich ein Hund gesund­heits­för­dernd auf das Wohl des Men­schen aus­wir­ken kann. Dies betrifft sowohl phy­si­sche als auch psy­chi­sche Berei­che. Im Fol­gen­den sol­len eini­ge gesund­heits­för­dern­de Wir­kun­gen des Hun­des dar­ge­stellt wer­den [1]:

  1. Der Hund hat durch Reduk­ti­on der Stress­hor­mo­ne Kor­ti­sol und Adre­na­lin sowie durch Dämp­fung des „Fight or Flight-Zustan­des“ im sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tem eine ent­span­nen­de Wir­kung.
  2. Der Hund kann unser Wohl­be­fin­den und unse­re Lebens­freu­de über Ände­run­gen in den Botenstoffen/Hormonen wie z.B. Endor­phin, Dopa­min, Oxy­to­cin, Pro­lak­tin und Beta-Phe­nyl­ethyl­amin för­dern. 
  3. Der Hund bewirkt eine phy­sio­lo­gi­sche Reduk­ti­on des Blut­drucks und ver­bes­sert den pro­zen­tua­len Sauer­stoff­an­teil im Blut, was zu einer Reduk­ti­on der Herz-Kreis­lauf-Krank­hei­ten (…) füh­ren kann.
  4. Der Hund kann zu einer Sen­kung von Risi­ko­fak­to­ren wie z.B. Cho­le­ste­rin- und Fett­ge­halt im Blut füh­ren, wes­halb er einen ver­bes­ser­ten Kreis­lauf, weni­ger Arte­ri­en­ver­kal­kung und gerin­ge­res Vor­kom­men von Blut­ge­rinn­seln bewirkt.
  5. Der Hund hat eine anti­de­pres­si­ve und angst­dämp­fen­de Wir­kung, die unter ande­rem über Akti­vi­täts­ver­än­de­run­gen in spe­zi­fi­schen Hirn­re­gio­nen statt­fin­det, bei­spiels­wei­se in der Amyg­da­la und in den Stirn­lap­pen.
  6. Der Hund kann einen immun­stär­ken­den und -regu­lie­ren­den Effekt haben, der die Immun­ab­wehr zel­lu­lar und mole­ku­lar opti­miert und damit All­er­gi­en, Asth­ma und Krebs ent­ge­gen­wirkt.
  7. Die Nähe und die Freund­schaft des Hun­des sind nach­weis­lich genau­so gut wie die Freund­schaft eines Men­schen, wes­halb der Hund ein sozia­les Bedürf­nis erfül­len kann, das für unse­re Gesund­heit von Bedeu­tung ist.
  8. Der Hund kann das sozia­le Kapi­tal und die Rol­le in der Gesell­schaft von Men­schen ver­bes­sern. Er stellt ein sozia­les Schmier­mit­tel dar, das den Kon­takt zur Umwelt und die Auf­fas­sung ande­rer ver­bes­sert, was wie­der­um eine bes­se­re Selbst­auf­fas­sung sowie eine bes­se­re sozia­le Inter­ak­ti­on und bes­se­re Moti­va­ti­on aus­lö­sen kann.
  9. Der Hund kann uns in posi­ti­ver Wei­se ablen­ken, sodass wir unse­re Krank­heit oder unse­ren Schmerz mehr oder weni­ger ver­ges­sen. Damit wer­den wir von unse­rem eige­nen Elend und unse­rer Hoff­nungs­lo­sig­keit abge­lenkt. Die­ses pas­siert u.a. über die tier­spe­zi­fi­schen Neu­ro­nen des mensch­li­chen Gehirns, die beim Anblick eines Hun­des akti­viert wer­den.
  10. Ein The­ra­pie­hund hat kei­ne Neben­wir­kun­gen, wie sie bei gän­gi­gen Medi­ka­men­ten bedau­er­li­cher­wei­se Vor­kom­men kön­nen. Damit ist nicht gesagt, dass Hun­de phar­ma­zeu­ti­sche Behand­lungs­stra­te­gi­en jemals erset­zen wer­den oder kön­nen, aber sie kön­nen den Ver­brauch von Medi­ka­men­ten auf neben­wir­kungs­freie Wei­se redu­zie­ren.

Wie sieht die Arbeit mit einem Hund in der Psy­cho­the­ra­pie nun aus?

Der Hund kommt bei­spiels­wei­se dann zum Ein­satz, wenn sich ein/e Pati­en­t/-in in einem Zustand emo­tio­na­ler Über­for­de­rung befin­det. Hun­de wir­ken nicht nur beru­hi­gend, son­dern haben -wie oben auf­ge­führt- eine angst­dämp­fen­de Wir­kung, die unter­stüt­zend im Umgang mit nega­ti­ven Emo­tio­nen ein­ge­setzt wer­den kann. 

Bei psy­chi­schen Erkran­kun­gen, die eine Stö­rung des eige­nen Kör­per­emp­fin­dens mit sich brin­gen (oder die­se mit zur Ursa­che haben), kann ein Hund unter­stüt­zend wir­ken, um die­sen Bezug lang­sam wie­der auf­zu­bau­en. 

Da ich in mei­ner Arbeit davon aus­ge­he, dass Emo­tio­nen leib­lich emp­fun­den wer­den (sie­he Bereich „Kör­per­the­ra­pie“), ist eine gesun­de Psy­che ohne einen gesun­den Bezug zum eige­nen Kör­per nicht mög­lich. Das kör­per­li­che Erle­ben der Umwelt (wel­ches in der Leib-Phi­lo­so­phie Hel­muth Pless­ners als das Kör­per-Sein bezeich­net wird) ist nun der­je­ni­ge Bereich, zu wel­chem in vie­len psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen der Bezug ver­lo­ren­geht. In der Mög­lich­keit, unser Sein zu reflek­tie­ren (uns also von „außen“ selbst  zu betrach­ten), unter­schei­den wir uns vom Tier, wel­ches wesent­lich kör­per­lich exis­tiert und kom­mu­ni­ziert. In der Kör­per­the­ra­pie soll genau der Teil im Men­schen ange­spro­chen wer­den, der sich nicht von außen betrach­tet, der Teil des Kör­per-Seins. Da der Hund qua­si ein „Pro­fi“ im Kör­per-Sein ist, wird er von mir unter­stüt­zend ein­ge­setzt, damit eben die­ser Bezug wie­der her­ge­stellt wer­den kann. 

 

Das ist Arnold, mein The­ra­pie­hund, der mich bei mei­ner Arbeit unter­stützt. 

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Arnold ist unge­fähr im Jahr 2011 gebo­ren und kommt aus dem Tier­schutz in Ungarn. Ich war lan­ge auf der Suche nach einem Hund, der ein so freund­li­ches Wesen wie Arnold hat. Arnold geht auf Men­schen zu, lässt sich ger­ne strei­cheln und ist sehr emp­find­sam und empa­thisch. 

Der Ein­satz von Arnold als The­ra­pie­hund wur­de mit dem Vete­ri­när­amt des Krei­ses Sege­berg abge­klärt. Zudem erfol­gen regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch eine Tier­ärz­tin, ob er die gesund­heit­li­chen Ansprü­che erfüllt, die ein The­ra­pie­hund zu erfül­len hat.

 

 

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Lei­der kann Arnold mich bei mei­ner Arbeit nicht mehr unter­stüt­zen, da er von einem schwe­ren Lei­den erlöst wer­den muss­te. Ich pla­ne für mei­ne zukünf­ti­ge the­ra­peu­ti­sche Arbeit wie­der einen The­ra­pie­hund mit ein, dies wird jedoch noch Zeit benö­ti­gen.

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[1]Im Fol­gen­den wird zitiert: Pen­ko­wa, Mile­na: Hund auf Rezept. War­um Hun­de gesund für uns sind. Nerdlen/Daun 2014, S. 142 f.